OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

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MattiBeuti
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#101 Beitrag von MattiBeuti » Do 9. Jul 2020, 14:26

Tschuttiball hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 14:09
Der Kollege heisst Florian Kohfeldt, nicht Kohfeld.
Sorry aber fällt mir grad extrem auf :angel:

Zu Favre: rein die Fakten sprechen für Favre. Das er nicht Meister wurde, liegt an den Bayern welche 2x nacheinander eine derart gute Rückrunde gespielt haben wie nie zuvor. Ebenso spricht allein die reine finanzielle Basis der beiden Vereine pro Bayern. Nur sehen wollen (oder können?) das einige Fans nicht. Zum Glück ist unser Management hier realistisch und nicht verblendet wie zB bei den Nachbarn. Wohin unrealistische Erwartungshaltungen führen, sieht man dort doch perfekt!
Danke. Keine Ahnung, warum mir der Fehler passiert ist. :oops:

Ja, wie gesagt, Favre leistet sicherlich gute Arbeit. Aber ob er sehr gute Arbeit leistet, lässt sich schwer beurteilen. Auch so manche statistischen Werte muss man dann auch genau betrachten. Er hört sich natürlich überragend an, wenn Favre der Trainer mit dem besten Punkteschnitt beim BVB ist. Dabei darf man dann aber eben nicht unsere Position in der Bundesliga und unsere hochwertige Mannschaft vergessen. Die Bayern haben Personalkosten von ca. 350 Millionen Euro. Wir liegen ungefähr bei 200 Millionen. So ist es offensichtlich, dass Bayern der klare Favorit ist und es ganz normal ist, wenn sie am Ende vor uns stehen. Vergessen darf man dann aber auch nicht, dass wir zu vielen anderen Bundesligisten einen ähnlichen Vorsprung haben, wie die Bayern vor uns. Die Pleiten im Pokal hätten so eigentlich nicht passieren dürfen, aber am Ende waren die Saisons in der Bundesliga sehr ordentlich. Wenn Favre das im nächsten Jahr wiederholen kann, dann spricht das eindeutig für ihn. Aktuell befürchte ich aber, dass unser Spiel zu sehr von Einzelleistungen abhängig ist und sollte dann ein Sancho noch wechseln, bin ich gespannt, was sich Favre überlegen wird.
"Es ist nicht wichtig, was die Leute über dich denken, wenn du kommst. Es ist wichtig, was die Leute von dir denken, wenn du gehst." (Jürgen Klopp)

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#102 Beitrag von Pew » Do 9. Jul 2020, 14:55

MattiBeuti hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 13:59
Ja, das hatte ich ja selbst geschrieben, dass es sinnvoll wäre, wenn man Kohfeld noch ein weiteres Jahr beobachten könnte. Und sollte er in Bremen bleiben, müsste man die Leistungen und Ergebnisse halt in Relation setzen.

Und jetzt versuche ich mal ein bisschen genauer zu erklären, was ich meine und was ich mir erhoffe. Du schreibst, dass es bei dem von mir genannten Anspruch keine Diskussionen über Favre geben würde. Da bin ich anderer Meinung. Die fachliche Kompetenz muss doch nicht zwingend darüber entscheiden, wie gut ein Trainer zu einem Verein passt oder wie erfolgreich er bei einem Verein sein wird. Da gibt es noch andere Faktoren, die je von Verein zu Verein unterschiedlich sind.

Und da kommen wir zu dem Trainerprofil, welches ich mir für unseren BVB wünschen würde. Als quasi unerreichbare Optimallösung muss das Beispiel Klopp nicht nur nerven, es kann auch hilfreich sein. Wir können hin und her diskutieren, inwiefern die Sprache und die Fähigkeit in der Menschenführung in der heutigen Zeit eine Rolle spielen. Und wir können natürlich davon ausgehen, dass Favre intern anders auftritt als vor den Kameras. Mir fehlt bei Favre die Phantasie, dass er eine Mannschaft zu einem verschworenen Haufen formen kann. Klopp kann das. Er hat das in Mainz, in Dortmund und in Liverpool geschafft. Und wir müssen nicht so tun, als wenn Klopp der einzige Mensch mit dieser Fähigkeit wäre. Solche Trainer werden gerne auf den Faktor der Motivation reduziert. Wieviele haben genau das Klopp lange Zeit vorgeworfen? Und solche Trainer werden auch gerne argwöhnisch betrachtet, eben weil sie sympathisch rüberkommen und viele von diesem "Hype" schnell genervt sind.

Ich kann nicht sagen, dass Kohfeld eine herausragende Trainerkarriere vor sich hat. Aber er hat sicherlich die Fähigkeit eine Mannschaft zu einer eingeschworenen Haufen zu formen. Die Saison in Bremen war schlecht keine Frage. Richtig schlecht. Alleine deshalb wäre ein Wechsel von Favre zu Kohfeld nach dieser Saison kaum zu vermitteln. Und auch ich sehe das Risiko, dass Kohfeld doch noch zu große Defzite als Trainer hat. Aber jetzt kommt der entscheidene Punkt: Wenn wir wieder einen Trainer haben wollen, der außergewöhnlich ist und extrem gut zu unserem Verein passt, dann müssen wir auch mal früher zugreifen und dem Trainer dann auch etwas Zeit einräumen. Klopp hat in Dortmund auch Zeit benötigt und kam damals von Mainz. Sollten wir heute etwa keinen Klopp mehr verpflichten, weil er von Mainz(oder Kohfeld von Bremen) kommt? Mit Mainz oder mit Bremen spielst Du halt gegen den Abstieg oder landest im Optimalfall im Mittelfeld. Das ist nunmal nicht spektakulär. UNd was sind denn die ganz großen Trainer? Pep bekommen wir nicht, Klopp bekommen wir nicht und mit Tuchel hat das nicht so toll funktioniert. Wir sind eben nicht die Elite von Europa. Wenn wir wieder einen außergewöhnlichen Trainer haben wollen, der den Verein zu mittelfristig zu besonderen Zielen führen soll, dann müssen wir ihn selbst entwickeln. So einen Trainer können wir halt nicht kaufen. Oder wir verplichten den nächsten Bosz, Stöger oder Favre. Und um das nochmal klar zu sagen, ich halte Favre für einen richtig guten Trainer. Aber ich glaube, dass er als Trainer vom BVB nie herausragend sein wird. Daher wäre ja auch mein Wunsch, dass wir mit Kohfeld noch ein Jahr warten können. Dann sehen wir ja, wie sich Favre in der kommenden Saison schlägt.
Also erstmal: "wir haben damals ja auch Klopp geholt und ihm Zeit gegeben" halte ich für einen unpassenden Einwand, weil er ignoriert aus welchem Kontext das geschehen ist. Es ignoriert wie schwach unser Kader damals war, wie wenig Geld wir hatten, wo wir vor Klopp tabellarisch standen und vor allem, dass Klopp gar nicht so viel Geduld brauchte, weil er uns schon im ersten Jahr von Platz 13 und Tristesse auf einen hoffnungsvollen Platz 6 geführt hat.
Heute ticken die Uhren aber anders, wir sind der zweitgrößte Club in Deutschland, wir haben einen riesen Personalaufwand, eine riesen Erwartungshaltung und ein riesen Medieninteresse. Jungen Spielern können wir Zeit geben, aber Trainer müssen direkt was zeigen, sonst wird der Druck schnell unerträglich - das sieht man ja selbst bei Favre mit seinen beiden zweiten Plätzen.

Ich stimme dir zu, dass Favre nicht gerade den Eindruck erweckt, dass er intern der große Antreiber ist und dass Kohfeldt in dem Bezug durchaus wortgewandter rüberkommt. Aber das kann ja kein Einstellungskriterium sein, Favre geht das angeblich oder tatsächlich komplett ab und trotzdem ist er zwei mal zweiter mit uns geworden, hat mit Hertha und Gladbach Fußballwunder geschafft. Klopp war niemals nur ein Antreiber, der war vor allem auch deshalb erfolgreich, weil er mit seinem Gegenpressing dem Rest der Liga zwei Schritte voraus war. "Labern" ist eben auch nur ein kleiner Teil des Puzzles. Zumal man sich, ob des mehr oder weniger ungebremsten Falls von Werder diese Saison auch ein wenig Fragen kann, wie ausgeprägt diese Künste bei Kohfeldt intern tatsächlich sind.

Ich würde nicht sagen, dass man grundsätzlich keine Trainer von Mainz oder Bremen holen kann. Mit der Verpflichtung Tuchels war ich damals zum Beispiel sehr zufrieden. Aber da ist eben auch ein Unterschied für mich: Tuchel war über Jahre Überflieger, wurde mit Mainz als Aufsteiger ohne Vorbereitung direkt 9., hat zwei mal die Euroleague geschafft. Bei Kohfeldt steht im Moment Platz 11, 8 und 16. Ersterer war für mich damals ein anderes Kaliber, als Kohfeldt es jetzt ist. Je größer der Abstand zwischen altem und neuen Verein desto größer das Risiko und da erwarte ich ehrlich gesagt ein bisschen mehr als das was Kohfeldt zeigen konnte.

Auf der anderen Seite gibt es in der Bundesliga mittlerweile schon eine Menge Clubs, die eine klare, moderne, Idee von Fußball und mehr oder weniger große Ambitionen haben und regelmäßig in Europa spielen: Leipzig, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim fallen mir da ein. Das wären die Clubs, wo ich bei der Trainersuche als erstes gucken würde, ob einer passen könnte, weil deren Trainer zumindest teilweise mit den gleichen Problemen konfrontiert werden wie unsere.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#103 Beitrag von Tschuttiball » Do 9. Jul 2020, 16:15

MattiBeuti hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 14:26
Ja, wie gesagt, Favre leistet sicherlich gute Arbeit. Aber ob er sehr gute Arbeit leistet, lässt sich schwer beurteilen. Auch so manche statistischen Werte muss man dann auch genau betrachten. Er hört sich natürlich überragend an, wenn Favre der Trainer mit dem besten Punkteschnitt beim BVB ist. Dabei darf man dann aber eben nicht unsere Position in der Bundesliga und unsere hochwertige Mannschaft vergessen. Die Bayern haben Personalkosten von ca. 350 Millionen Euro. Wir liegen ungefähr bei 200 Millionen. So ist es offensichtlich, dass Bayern der klare Favorit ist und es ganz normal ist, wenn sie am Ende vor uns stehen. Vergessen darf man dann aber auch nicht, dass wir zu vielen anderen Bundesligisten einen ähnlichen Vorsprung haben, wie die Bayern vor uns. Die Pleiten im Pokal hätten so eigentlich nicht passieren dürfen, aber am Ende waren die Saisons in der Bundesliga sehr ordentlich. Wenn Favre das im nächsten Jahr wiederholen kann, dann spricht das eindeutig für ihn. Aktuell befürchte ich aber, dass unser Spiel zu sehr von Einzelleistungen abhängig ist und sollte dann ein Sancho noch wechseln, bin ich gespannt, was sich Favre überlegen wird.
Bernd1958 hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 14:15
Stimmt, aber ich sehe bei unserer Mannschaft auch keine großartige Weiterentwicklung. Wir tun uns immer noch mega schwer gegen Mannschaften die entweder hintendrin stehen oder früh genug pressen.
Ja, ich stimme euch hier schon zu. Favre performt auf einem guten Niveau. Die Probleme welche er/die Mannschaft hat ist aber sicher in den Topspielen bzw wenn es drauf ankommt.

Zugute halten muss man Favre, dass er sein System umstellt und der Mannschaft anpasst wenn es nicht läuft. Klar kann man hier sagen er hätte dies früher tun sollen, aber ein Trainer hält halt mal an seinem System fest und versucht es zu verbessern. Ein Trainer der nach 1-2 Spielen sein komplettes System umstellt, der wirkt für mich dann aber auch eher ratlos und ohne Plan.

Das Pokalaus 2x gegen Bremen war sicher das schmerzhafteste und nachhaltigste Negativ-Ergebnis für Favre. Ohne den Pokal Makel, sehe es schon besser aus. In der CL ist es halt auf dem Niveau auch immer etwas Glück und Tagesform abhängig. Aber im Pokal sollte man gegen Bremen 2x gewinnen, dafür ist unser Kader zu gut.

Generell müssen wir gegen die "kleineren Gegner" konstanter sein und in den Topspielen abliefern. Wer 2x gegen die Bayern verliert, der hat es eh nicht verdient Meister zu werden wie ich meine.


Abschliessend möchte ich noch sagen, dass das Problem für uns ist doch einfach folgendes ist:
die Eierlegende Wollmilchsau auf dem Trainermarkt gibt es für uns aktuell nicht. Zumindest nicht einen Kandidaten wo alle sofort sagen "Jop, der isset".

Persönlich halte ich ja sehr viel von Jesse Marsch (für mich kommt er nahe an die Ideal Lösung heran). Ihm fehlt aber die nachhaltigen Erfolge. Zumindest weiss er wie es ist um Titel zu spielen und kann seine Mannschaft top motivieren und einstellen. Er arbeitet sehr gut mit jungen Spielern und entwickelt diese weiter. Auch sein Spielsystem passt zu uns. Ich würde mich unbedingt für Sommer 2021 um ihn bemühen, sollte Favre nächste Saison keinen Titel holen wird es da wohl nicht weitergehen, dann muss man bereit sein. Deshalb: Jesse kontaktieren, Tschutti ne Abfindung schicken :mrgreen: :thumbup:
Der VAR scheitert in Deutschland nicht an der Technik, sondern an den handelnden Personen.
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#104 Beitrag von Tschuttiball » Do 9. Jul 2020, 17:05

Kohfeldt bleibt weiterhin Trainer bei Bremen.

Quelle: SSNHD

Edit: denke auch es liegt an der Kohle. Ein Abgang würde noch einiges an Geld kosten. Er hat ja Vertrag bis 2023...
Zuletzt geändert von Tschuttiball am Do 9. Jul 2020, 19:19, insgesamt 2-mal geändert.
Der VAR scheitert in Deutschland nicht an der Technik, sondern an den handelnden Personen.
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#105 Beitrag von Herb » Do 9. Jul 2020, 17:35

Gut so :thumbup:

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#106 Beitrag von Schwejk » Do 9. Jul 2020, 17:58

Tschuttiball hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 17:05
Kohlfeldt bleibt weiterhin Trainer bei Bremen.

Quelle: SSNHD
Tschuttiball hat geschrieben: ↑Do 9. Jul 2020, 14:09
Der Kollege heisst Florian Kohfeldt, nicht Kohfeld.
Sorry aber fällt mir grad extrem auf :angel:
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#107 Beitrag von Zubitoni » Do 9. Jul 2020, 19:35

ich sehe das problem von favre eher darin, dass er in zwei arten von spielen oft nicht die extra prozente aus der mannschaft rausholen kann:

1) spiele gegen viel schwächere teams: düsseldorf, paderborn, hoffenheim, mainz, union, etc.
2) killerspiele. bayern, dfb pokal, paris

favre ist halt... ruhig. seeehr ruhig. während andere trainer wahrscheinlich motivations- und psychologieseminare belegen, baut favre darauf, dass sich die mannschaft von innen heraus motiviert. diese kompetenzlücke kostet zu viele punkte.

Falls mein Beitrag Kritik enthält, steht dieser unter folgendem Vorbehalt: Ich bin BVB Fan und werde es bleiben. Susi und das ganze Management erledigen ihre Aufgaben insgesamt zu meiner [„vollsten“ gestrichen am 27.10.19] Zufriedenheit.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#108 Beitrag von MattiBeuti » Fr 10. Jul 2020, 07:47

Pew hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 14:55
Also erstmal: "wir haben damals ja auch Klopp geholt und ihm Zeit gegeben" halte ich für einen unpassenden Einwand, weil er ignoriert aus welchem Kontext das geschehen ist. Es ignoriert wie schwach unser Kader damals war, wie wenig Geld wir hatten, wo wir vor Klopp tabellarisch standen und vor allem, dass Klopp gar nicht so viel Geduld brauchte, weil er uns schon im ersten Jahr von Platz 13 und Tristesse auf einen hoffnungsvollen Platz 6 geführt hat.
Heute ticken die Uhren aber anders, wir sind der zweitgrößte Club in Deutschland, wir haben einen riesen Personalaufwand, eine riesen Erwartungshaltung und ein riesen Medieninteresse. Jungen Spielern können wir Zeit geben, aber Trainer müssen direkt was zeigen, sonst wird der Druck schnell unerträglich - das sieht man ja selbst bei Favre mit seinen beiden zweiten Plätzen.

Ich stimme dir zu, dass Favre nicht gerade den Eindruck erweckt, dass er intern der große Antreiber ist und dass Kohfeldt in dem Bezug durchaus wortgewandter rüberkommt. Aber das kann ja kein Einstellungskriterium sein, Favre geht das angeblich oder tatsächlich komplett ab und trotzdem ist er zwei mal zweiter mit uns geworden, hat mit Hertha und Gladbach Fußballwunder geschafft. Klopp war niemals nur ein Antreiber, der war vor allem auch deshalb erfolgreich, weil er mit seinem Gegenpressing dem Rest der Liga zwei Schritte voraus war. "Labern" ist eben auch nur ein kleiner Teil des Puzzles. Zumal man sich, ob des mehr oder weniger ungebremsten Falls von Werder diese Saison auch ein wenig Fragen kann, wie ausgeprägt diese Künste bei Kohfeldt intern tatsächlich sind.

Ich würde nicht sagen, dass man grundsätzlich keine Trainer von Mainz oder Bremen holen kann. Mit der Verpflichtung Tuchels war ich damals zum Beispiel sehr zufrieden. Aber da ist eben auch ein Unterschied für mich: Tuchel war über Jahre Überflieger, wurde mit Mainz als Aufsteiger ohne Vorbereitung direkt 9., hat zwei mal die Euroleague geschafft. Bei Kohfeldt steht im Moment Platz 11, 8 und 16. Ersterer war für mich damals ein anderes Kaliber, als Kohfeldt es jetzt ist. Je größer der Abstand zwischen altem und neuen Verein desto größer das Risiko und da erwarte ich ehrlich gesagt ein bisschen mehr als das was Kohfeldt zeigen konnte.

Auf der anderen Seite gibt es in der Bundesliga mittlerweile schon eine Menge Clubs, die eine klare, moderne, Idee von Fußball und mehr oder weniger große Ambitionen haben und regelmäßig in Europa spielen: Leipzig, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim fallen mir da ein. Das wären die Clubs, wo ich bei der Trainersuche als erstes gucken würde, ob einer passen könnte, weil deren Trainer zumindest teilweise mit den gleichen Problemen konfrontiert werden wie unsere.
Naja, eigentlich ist es nicht so wichtig, warum wir Klopp damals Zeit gegeben haben, es ist wichtig, dass wir ihm Zeit gegeben haben und daraus lernen können, was durch Entwicklung entstehen kann. Ja, der heutige Kader ist mit dem von damals nicht zu vergleichen. Und auch ein Teil der Rahmenbedingungen sind andere. Nichtsdestotrotz muss man sich halt überlegen, was man will. Und bei Favre fehlt mir und offensichtlich nicht nur mir die Phantasie auf weitere Entwicklungssprünge. Und gleichzeitig müsste man auch erstmal "Zeit geben" definieren. Wir haben nämlich selbst Favre in dieser Saison Zeit gegeben. Seine Umstellung kam sicherlich nicht zu früh. Und was bedeutet es dann, wenn man einem unerfahreneren Trainer die Möglichkeit gibt? Kohfeldt würde sicherlich nicht jedes zweite Spiel plötzlich verlieren. Bei der Gesamtbewertung der Leistung eines Trainers sollte man nicht die Qualität der Mannschaft vergessen. Favre macht nicht aus einer Gurkentruppe einen Vizemeister(naja, letzte Saison schon :D ) und Kohfeldt würde nicht aus einem Vizemeister eine Gurkentruppe machen. Es bleiben aber deine angebrachten Zweifel bezüglich der Champions-League. Da müssen so junge Trainer wie Rose und Kohfeldt erst dazu lernen. Aber wenn man dies nicht gewillt ist in Kauf zu nehmen, dann limiert man sich selbst.

Der BVB gehört nicht ganz zur Elite. WIr sind quasi das zweithöchste Regal. Aber wenn wir uns so limitieren, dann müssen wir immer ins zweithöchste Regal greifen, wenn es um Trainer geht. Das höchste Regal ist für uns nicht erreichbar und eine Etage niedriger wollen wir die Zeit nicht investieren. Wenn man von einem Trainer überzeugt ist - wir reden über den Trainer nach der kommenden Saison -, dann muss man auch dazu bereit sein Rückschläge einzuplanen. Leipzig hat sogar ein Jahr auf Nagelsmann gewartet. Das nenne ich mal Zeit investieren! Und ich behaupte, dass diese Entscheidung keine schlechte war.

Die erreichten Ziele von Favre bei der Hertha und in Gladbach zeigen, dass Favre ein guter Trainer ist. Das zeigt er doch auch bei uns. Wie schon im vorherigen Post geschrieben, geht es mir darum, ob er optimal zum BVB passt oder wir nach der kommenden Saison in Kohfeldt einen - zumindest mittelfristig - besseren Trainer für den BVB verpflichten können. Sollten die Leistungen in Bremen stimmen und bei uns unter Favre eben nicht, würde ich in Kohfeldt eine sehr spannende Option sehen.

Wie gesagt, die aktuelle Saison spricht nicht für Kohfeldt und die vergangene Rückrunde spricht für Favre. Das ist der aktuelle Stand. Die kommende Saison wird neue Informationen liefern. Aber wenn Du schreibst, dass die bisherigen Tabellenplätze von Kohfeldt nicht überragend waren, dann stimmt das natürlich, aber auch da muss man wieder mit einfließen lassen, dass der Zeitraum einen jungen Trainer mit großen Potential zu verpflichten nicht endlos ist. Wir können halt auch nicht warten bis Kohfeldt 3 Jahre am Stück Wunderdinge vollbringt - was mit Bremen auch kaum möglich ist. Beim 11. Platz kam er erst später zum Team und hat die Bremer stabilisiert und der 8. Platz war mehr als ordentlich. Wenn man zu lange wartet, dann geht halt auch ein interessanter Trainer wie Nagelsmann nach Leipzig. Aber bitte richtig verstehen, es geht nicht darum einen Trainer zu verpflichten, von dem man nicht überzeugt ist.

Du zählst die Vereine Leipzig, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim auf. Ich habe so meine Zweifel, dass wir nach Leipzig noch eine logische Verbesserung für Nagelsmann darstellen. Leverkusen ist mit Bosz nicht ínteressant und Hoffenheim hat gerade seinen Trainer rausgeschmissen. Bleibt noch Gladbach. Und hier zeigen sich unsere unterschiedlichen Denkansätze. Ja, ich finde die Personalie Rose ebenfalls sehr interessant. Aber nicht an erster Stelle, weil er in Gladbach Trainer ist und die Rahmenbedingungen als gute Vorbereitung für den BVB dienen können(was dein nachvollziehbarer Ansatz zu sein scheint). Sondern weil Rose halt der Trainer ist, der er ist. Mir geht es weniger um Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen von Bosz in Amsterdam waren auch klasse(erfolgreich und offensive Spielweise). Die Rahmenbedingungen von Favre bei seinen letzten Stationen waren ebenfalls sehr vielversprechend. Aber wenn wir wieder einen Trainer haben wollen, der auch perfekt zu unserem Verein und zur Mentalität passt, dann sollte man wieder mehr auf den Menschen schauen - was wir bei Spielertransfers übrigens auch haben schleifen lassen und jetzt mit Witsel, Hummels, Can und Haaland wieder optimieren. Mir gefällt die Arbeit von Rose sehr, sehr gut. Und er wäre in meinen Augen ebenfalls ein geeigneter Kandidat. Aber natürlich auch um einiges schwerer zu bekommen als Kohfeldt.
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#109 Beitrag von MattiBeuti » Fr 10. Jul 2020, 08:13

Tschuttiball hat geschrieben:
Do 9. Jul 2020, 16:15

Ja, ich stimme euch hier schon zu. Favre performt auf einem guten Niveau. Die Probleme welche er/die Mannschaft hat ist aber sicher in den Topspielen bzw wenn es drauf ankommt.

Zugute halten muss man Favre, dass er sein System umstellt und der Mannschaft anpasst wenn es nicht läuft. Klar kann man hier sagen er hätte dies früher tun sollen, aber ein Trainer hält halt mal an seinem System fest und versucht es zu verbessern. Ein Trainer der nach 1-2 Spielen sein komplettes System umstellt, der wirkt für mich dann aber auch eher ratlos und ohne Plan.

Das Pokalaus 2x gegen Bremen war sicher das schmerzhafteste und nachhaltigste Negativ-Ergebnis für Favre. Ohne den Pokal Makel, sehe es schon besser aus. In der CL ist es halt auf dem Niveau auch immer etwas Glück und Tagesform abhängig. Aber im Pokal sollte man gegen Bremen 2x gewinnen, dafür ist unser Kader zu gut.

Generell müssen wir gegen die "kleineren Gegner" konstanter sein und in den Topspielen abliefern. Wer 2x gegen die Bayern verliert, der hat es eh nicht verdient Meister zu werden wie ich meine.


Abschliessend möchte ich noch sagen, dass das Problem für uns ist doch einfach folgendes ist:
die Eierlegende Wollmilchsau auf dem Trainermarkt gibt es für uns aktuell nicht. Zumindest nicht einen Kandidaten wo alle sofort sagen "Jop, der isset".

Persönlich halte ich ja sehr viel von Jesse Marsch (für mich kommt er nahe an die Ideal Lösung heran). Ihm fehlt aber die nachhaltigen Erfolge. Zumindest weiss er wie es ist um Titel zu spielen und kann seine Mannschaft top motivieren und einstellen. Er arbeitet sehr gut mit jungen Spielern und entwickelt diese weiter. Auch sein Spielsystem passt zu uns. Ich würde mich unbedingt für Sommer 2021 um ihn bemühen, sollte Favre nächste Saison keinen Titel holen wird es da wohl nicht weitergehen, dann muss man bereit sein. Deshalb: Jesse kontaktieren, Tschutti ne Abfindung schicken :mrgreen: :thumbup:
Diese Saison komplett zu bewerten, ist sowieso nur bedingt möglich. Die Geisterspiele haben sicherlich einiges verändert. Eine mögliche neue Systemumstellung wird für mich einer der kommenden Knackpunkte. Sollte Sancho wechseln und Meunier als Schienenspieler nicht die erhoffte Rolle ausfüllen können, müssen wir vielleicht wieder etwas umdenken. Du hast sicherlich Recht, dass ein Trainer nicht zu früh den Glauben an seiner Strategie verlieren sollte. Jedoch gibt es einmal die Grundphilosophie eines Trainers(Strategie) und die auf das Spiel begzogene Taktik. Meiner Meinung kam die taktische Umstellung reichlich spät. Aber gut, das ist vorbei und Vergangenheit. Mir geht es darum, ob Favre bei einer erneuten Umstellung wieder so lange zögern würde oder beim nächsten mal flexibler reagieren würde. Wie gesagt, vielleicht benötigen wir schon in der neuen Saison einen Systemwechsel und dann bin ich gespannt.

Also ich kann ganz wenig zu Jesse Marsch sagen. Daher kann ich diese Peronsalie überhaupt nicht bewerten. Ich weiss natürlich, dass er einige gute Ergebnisse geliefert hat und wohl ein guter Trainer ist. Das war es aber auch. Dass Du ein großer Sympathisant bist, ist ja kein Geheimnis. ;)
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#110 Beitrag von Pew » Fr 10. Jul 2020, 11:10

MattiBeuti hat geschrieben:
Fr 10. Jul 2020, 07:47
Naja, eigentlich ist es aber nicht der wichtige Punkt, warum wir Klopp damals Zeit gegeben haben, es ist wichtig, dass wir ihm Zeit gegeben haben und daraus lernen können, was durch Entwicklung entstehen kann. Ja, der heutige Kader ist mit dem von damals nicht zu vergleichen. Und auch ein Teil der Rahmenbedingungen sind andere. Nichtsdestotrotz muss man sich halt überlegen, was man will. Und bei Favre fehlt mir und offensichtlich nicht nur mir die Phantasie auf weitere Entwicklungssprünge. Und gleichzeitig müsste man auch erstmal "Zeit geben" definieren. Wir haben nämlich selbst Favre in dieser Saison Zeit gegeben. Seine Umstellung kam sicherlich nicht zu früh. Und was bedeutet es dann, wenn man einem unerfahreneren Trainer die Möglichkeit gibt? Kohfeldt würde sicherlich nicht jedes zweite Spiel plötzlich verlieren. Bei der Gesamtbewertung der Leistung eines Trainers sollte man nicht die Qualität der Mannschaft vergessen. Favre macht nicht aus einer Gurkentruppe einen Vizemeister(naja, letzte Saison schon :D ) und Kohfeldt würde nicht aus einem Vizemeister eine Gurkentruppe machen. Es bleiben aber deine angebrachten Zweifel bezüglich der Champions-League. Da müssen so junge Trainer wie Rose und Kohfeldt erst dazu lernen. Aber wenn man dies nicht gewillt ist in Kauf zu nehmen, dann limiert man sich selbst.

Der BVB gehört nicht ganz zur Elite. WIr sind quasi das zweithöchste Regal. Aber wenn wir uns so limitieren, dann müssen wir immer ins zweithöchste Regal greifen, wenn es um Trainer geht. Das höchste Regal ist für uns nicht erreichbar und eine Etage niedriger wollen wir die Zeit nicht investieren. Wenn man von einem Trainer überzeugt ist - wir reden über die Entscheidung nach der kommenden Saison -, dann muss man auch dazu bereit sein Rückschläge einzuplanen. Leipzig hat sogar ein Jahr auf Nagelsmann gewartet. Das nenne ich mal Zeit investieren! Und ist behaupte, dass diese Entscheidung keine schlechte war.

Die erreichten Ziele von Favre bei der Hertha und in Gladbach zeigen, dass Favre ein guter Trainer ist. Das zeigt er doch auch bei uns. Wie schon im vorherigen Post geschrieben, geht es mir darum, ob er optimal zum BVB passt oder wir nach der kommenden Saison in Kohfeldt einen - zumindest mittelfristig - besseren Trainer für den BVB verpflichten können. Sollten die Leistungen in Bremen stimmen und Favre nicht zufriedenstellen performen, würde ich darin eine gute Option sehen.

Wie gesagt, die aktuelle Saison spricht nicht für Kohfeldt und die vergangene Rückrunde spricht für Favre. Das ist der aktuelle Stand. Die kommende Saison wird neue Informationen liefern. Aber wenn Du schreibst, dass die bisherigen Tabellenplätze von Kohfeldt nicht überragend waren, dann stimmt das natürlich, aber auch da muss man wieder mit einfließen lassen, dass der Zeitraum einen jungen Trainer mit großen Potential zu verpflichten nicht unbegrenzt ist. Wir können halt auch nicht warten bis Kohfeld 3 Jahre am Stück Wunderdinge vollbringt - was mit Bremen auch kaum möglich ist. Beim 11. Platz kam er erst später und hat die Bremer stabilisiert und der 8. Platz war mehr als ordentlich. Wenn man zu lange wartet, dann geht halt auch ein Nagelsmann nach Leipzig. Aber bitte richtig verstehen, es geht nicht darum einen Trainer zu verpflichten, von dem man nicht überzeugt ist.

Du zählst die Vereine Leipzig, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim auf. Ich habe so meine Zweifel, dass wir nach Leipzig noch eine logische Verbesserung für Nagelsmann darstellen. Leverkusen ist mit Bosz nicht ínteressant und Hoffenheim hat gerade seinen Trainer rausgeschmissen. Bleibt noch Gladbach. Und hier zeigen sich unsere unterschiedlichen Denkansätze. Ja, ich finde die Personalie Rose ebenfalls sehr interessant. Aber nicht an erster Stelle, weil er in Gladbach Trainer ist und die Rahmenbedingungen als gute Vorbereitung für den BVB dienen können. Sondern weil Rose halt der Trainer ist, der er ist. Mir geht es weniger um Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen von Bosz in Amsterdam waren auch klasse. Die Rahmenbedingungen von Favre bei seinen letzten Stationen waren ebenfalls sehr vielversprechend. Aber wenn wir wieder einen Trainer haben wollen, der auch perfekt zu unserem Verein und zur Mentalität passt, dann sollte man vielmehr auf den Menschen schauen - was wir bei Spielertransfers übrigens auch haben schleifen lassen und jetzt mit Witsel, Hummels, Can und Haaland wieder optimieren. Mir gefällt die Arbeit von Rose sehr, sehr gut. Und er wäre in meinen Augen ebenfalls ein geeigneter Kandidat. Aber natürlich auch um einiges schwerer zu bekommen als Kohfeldt.

Zeit geben heißt für mich, dass man mit dem aktuellen Stand nicht (voll) zufrieden ist, aber bereit ist abzuwarten, weil man mit einer positiven Entwicklung rechnet.
Klopp hat in der ersten Saison direkt das Konto von 40 auf 59 Punkte hochgeschraubt, punktemäßig die beste Saison seit der letzten Meisterschaft, eine ähnliche prozentuale Steigerung würde bei uns aktuell die 100er Marke knacken. Da gab es keine Zweifel, da musste man keine Zeit oder Vertrauen geben, da wurden alle Erwartungen übertroffen. Klopps Entwicklung zum angesehenen Spitzentrainer verlief analog zur Entwicklung des Clubs zum Spitzenclub, weil er immer wieder das Optimum nach oben gedrückt hat. Bei Kohfeldt reden wir aber bei der Entwicklung von einem ganz anderen Maßstab.
Du schreibst so selbstverständlich, dass er schon nicht jedes 2. Spiel verlieren würde, ich habe da noch Bosz im Kopf, bei dem wir nach 15 Spieltagen die Notbremse ziehen mussten und am Ende mit riesen Glück in die top 4 gehumpelt sind. Oder Kovac bei Bayern, der war im Grunde auch nach seinen ersten 10 Ligaspielen schon durch. Es ist schon richtig, dass man Favre diese Saison Zeit gegeben hat. Aber wie genau sah das nochmal aus, beim erfahrenen und rennomierten Trainer, der (trotz des etwas enttäuschenden Endes) in seiner ersten Saison überperformt hat: Die Krisenstimmung ging sagen wir mal 7. Spieltag (Freiburg) los? Paderborn war der 12. Spieltag, dazwischen immerhin zwei Siege in der Liga, ein Weiterkommen im Pokal gegen Gladbach und der Sieg gegen Inter. In dem einen Monat dazwischen hatten Fans und Presse dermaßen Schaum vorm Mund, dass die Entlassung nur noch eine Frage der Zeit schien. Wie das wohl aussehen würde, wenn Kohfeldt mit Platz 8 als Karrierehöhepunkt ankommt und dann einen holprigen Start hat?

Der Post liest sich so ein wenig so, als ob Kohfeldt unsere einzige Alternative ist. Dass Favre nicht den Eindruck macht, dass ihm hier der ganz große Wurf gelingt würde ich unterschreiben, aber das ist nur ein Argument pro Trainerwechsel, nicht pro Kohfeldt.
Du schreibst, dass man die Erfolge relativ zur Kaderstärke beurteilen muss, dass Leipzig ein Jahr auf Nagelsmann gewartet hat. Beides vollkommen richtig. Aber der andere Teil der Wahrheit ist, dass die beiden da Welten trennt. Kohfeldts großer Erfolg mit Werder ist Platz 8, respektabel, aber bei weitem keine Meisterleistung. Alexander Nouri hat das zwei Jahre vorher auch geschafft. Nagelsmann hat zum Einstand mit dem Klassenerhalt ein kleines Fußballwunder geliefert und dann mit dem vierten Platz direkt das nächste folgen lassen (und mit dem dritten eigentlich auch). Entsprechend hatte er auch schon eine Saison EL und eine Saison CL auf dem Konto, das ist eine komplett andere Welt als Kohfeldt, den hätte ich auch mit Kusshand genommen. Und das ist auch so ein bisschen mein Punkt. Nagelsmann ist ein Elitetrainer, da ist sich jeder zu 95% sicher, Kohfeldt hat ein paar gute Ansätze gezeigt und den Wagen dann vor die Wand gefahren. Ob der ein sehr guter, ein guter oder ein durschnittlicher Trainer wird ist ein riesen Fragezeichen (für mich zumindest).

Ich erwähnte die genannten Clubs auch nicht unbedingt, weil ich glaube, dass wir deren konkrete Trainer jetzt holen müssen, sondern weil die Arbeit bei ihnen uns wichtige Fragen beantwortet. Z.B: wie geht Kohfeldt mit dem Druck um Spiele bestimmen zu müssen? Absolut keine Ahnung. Bei Rose, Bosz oder Nagelsmann habe ich schon eine Idee. Wie geht Kohfeldt mit Dreifachbelastung um? Absolut keine Ahnung. Bei Rose, Bosz oder Nagelsmann habe ich schon eine Idee. Wie geht Kohfeldt mit Medienfokus um? Absolut keine Ahnung. Bei Rose und vor allem Nagelsmann habe ich schon eine sehr gute Idee. Wie gut kann Kohfeldt mit Stars oder schwierigen Spielern umgehen? Bei Bremen hat er Kruse von den Regeln ausgenommen, wenn er das bei uns probiert gibt es wahrscheinlich Auba 2.0.
Jeder einzelne dieser Punkte für sich genommen kann das Todesurteil für einen Trainer sein, wenn wir das Risiko eingehen diese Fragen offen zu lassen, dann erwarte ich dafür auch die Hoffnung einen Hochbegabten verpflichtet zu haben und eine Begründung, die darüber hinaus geht, dass man ihn als Menschen mag.

Den Vergleich zu Leuten wie Hummels, Can und Haaland halte ich für interessant. Aber da möchte ich entgegnen: welche Kategorie Spieler war das denn? Witsel, Can und Hummels sind erfahrene Topspieler, Haaland war der heißeste Spieler der CL Gruppenphase, quasi das Spieleräquivalent zu Nagelsmann. Innerhalb der Metapher musst du aufpassen, dass Kohfeldt nicht der Rode oder Wolf ist.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#111 Beitrag von Sunseeker » Fr 10. Jul 2020, 22:45

Also ihr schreibt mir hier alle zu viel Text.
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#112 Beitrag von Tschuttiball » Fr 10. Jul 2020, 23:09

Sunseeker hat geschrieben:
Fr 10. Jul 2020, 22:45
Also ihr schreibt mir hier alle zu viel Text.
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#113 Beitrag von La Roja » Sa 11. Jul 2020, 07:06

Zumindest wird durch diese letzten langen Posts veranschaulicht, warum man mit Favre auch ins nächste Jahr geht ;)
Schwarz-gelbe Grüße, Dany

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#114 Beitrag von MattiBeuti » Sa 11. Jul 2020, 21:33

Pew hat geschrieben:
Fr 10. Jul 2020, 11:10

Zeit geben heißt für mich, dass man mit dem aktuellen Stand nicht (voll) zufrieden ist, aber bereit ist abzuwarten, weil man mit einer positiven Entwicklung rechnet.
Klopp hat in der ersten Saison direkt das Konto von 40 auf 59 Punkte hochgeschraubt, punktemäßig die beste Saison seit der letzten Meisterschaft, eine ähnliche prozentuale Steigerung würde bei uns aktuell die 100er Marke knacken. Da gab es keine Zweifel, da musste man keine Zeit oder Vertrauen geben, da wurden alle Erwartungen übertroffen. Klopps Entwicklung zum angesehenen Spitzentrainer verlief analog zur Entwicklung des Clubs zum Spitzenclub, weil er immer wieder das Optimum nach oben gedrückt hat. Bei Kohfeldt reden wir aber bei der Entwicklung von einem ganz anderen Maßstab.
Du schreibst so selbstverständlich, dass er schon nicht jedes 2. Spiel verlieren würde, ich habe da noch Bosz im Kopf, bei dem wir nach 15 Spieltagen die Notbremse ziehen mussten und am Ende mit riesen Glück in die top 4 gehumpelt sind. Oder Kovac bei Bayern, der war im Grunde auch nach seinen ersten 10 Ligaspielen schon durch. Es ist schon richtig, dass man Favre diese Saison Zeit gegeben hat. Aber wie genau sah das nochmal aus, beim erfahrenen und rennomierten Trainer, der (trotz des etwas enttäuschenden Endes) in seiner ersten Saison überperformt hat: Die Krisenstimmung ging sagen wir mal 7. Spieltag (Freiburg) los? Paderborn war der 12. Spieltag, dazwischen immerhin zwei Siege in der Liga, ein Weiterkommen im Pokal gegen Gladbach und der Sieg gegen Inter. In dem einen Monat dazwischen hatten Fans und Presse dermaßen Schaum vorm Mund, dass die Entlassung nur noch eine Frage der Zeit schien. Wie das wohl aussehen würde, wenn Kohfeldt mit Platz 8 als Karrierehöhepunkt ankommt und dann einen holprigen Start hat?

Der Post liest sich so ein wenig so, als ob Kohfeldt unsere einzige Alternative ist. Dass Favre nicht den Eindruck macht, dass ihm hier der ganz große Wurf gelingt würde ich unterschreiben, aber das ist nur ein Argument pro Trainerwechsel, nicht pro Kohfeldt.
Du schreibst, dass man die Erfolge relativ zur Kaderstärke beurteilen muss, dass Leipzig ein Jahr auf Nagelsmann gewartet hat. Beides vollkommen richtig. Aber der andere Teil der Wahrheit ist, dass die beiden da Welten trennt. Kohfeldts großer Erfolg mit Werder ist Platz 8, respektabel, aber bei weitem keine Meisterleistung. Alexander Nouri hat das zwei Jahre vorher auch geschafft. Nagelsmann hat zum Einstand mit dem Klassenerhalt ein kleines Fußballwunder geliefert und dann mit dem vierten Platz direkt das nächste folgen lassen (und mit dem dritten eigentlich auch). Entsprechend hatte er auch schon eine Saison EL und eine Saison CL auf dem Konto, das ist eine komplett andere Welt als Kohfeldt, den hätte ich auch mit Kusshand genommen. Und das ist auch so ein bisschen mein Punkt. Nagelsmann ist ein Elitetrainer, da ist sich jeder zu 95% sicher, Kohfeldt hat ein paar gute Ansätze gezeigt und den Wagen dann vor die Wand gefahren. Ob der ein sehr guter, ein guter oder ein durschnittlicher Trainer wird ist ein riesen Fragezeichen (für mich zumindest).

Ich erwähnte die genannten Clubs auch nicht unbedingt, weil ich glaube, dass wir deren konkrete Trainer jetzt holen müssen, sondern weil die Arbeit bei ihnen uns wichtige Fragen beantwortet. Z.B: wie geht Kohfeldt mit dem Druck um Spiele bestimmen zu müssen? Absolut keine Ahnung. Bei Rose, Bosz oder Nagelsmann habe ich schon eine Idee. Wie geht Kohfeldt mit Dreifachbelastung um? Absolut keine Ahnung. Bei Rose, Bosz oder Nagelsmann habe ich schon eine Idee. Wie geht Kohfeldt mit Medienfokus um? Absolut keine Ahnung. Bei Rose und vor allem Nagelsmann habe ich schon eine sehr gute Idee. Wie gut kann Kohfeldt mit Stars oder schwierigen Spielern umgehen? Bei Bremen hat er Kruse von den Regeln ausgenommen, wenn er das bei uns probiert gibt es wahrscheinlich Auba 2.0.
Jeder einzelne dieser Punkte für sich genommen kann das Todesurteil für einen Trainer sein, wenn wir das Risiko eingehen diese Fragen offen zu lassen, dann erwarte ich dafür auch die Hoffnung einen Hochbegabten verpflichtet zu haben und eine Begründung, die darüber hinaus geht, dass man ihn als Menschen mag.

Den Vergleich zu Leuten wie Hummels, Can und Haaland halte ich für interessant. Aber da möchte ich entgegnen: welche Kategorie Spieler war das denn? Witsel, Can und Hummels sind erfahrene Topspieler, Haaland war der heißeste Spieler der CL Gruppenphase, quasi das Spieleräquivalent zu Nagelsmann. Innerhalb der Metapher musst du aufpassen, dass Kohfeldt nicht der Rode oder Wolf ist.
Beim Thema "Zeit geben" werden die Werder-Verantwortlichen sicherlich auch ihre Gründe gehabt haben, wieso sie in dieser Saison so sehr an Kohfeldt festgehalten haben. Natürlich geht so ein Vergleich mit Klopp fast grundsätzlich in die Hose, aber ich denke schon, dass man in Bremen im ersten und im zweiten Jahr sehr, sehr zufrieden mit der Entwicklung unter Kohfeldt war. Dass jetzt das dritte Jahr komplett für die Tonne war, darüber brauchen wir ja nicht reden, das ist klar. Beim Thema Fans und Schaum vor dem Mund sind wir uns doch vermutlich einig, dass ein Verein nur bedingt darauf eingehen sollte. Fans sind nunmal Fans und habe alle eine Meinung(inklusive meinereiner) und müssen aber dann keine Verantwortung für mögliche Konsequenzen übernehmen. Und auch die Medienlandschaft hat einen gewissen Einfluss, aber auch da sollte sich ein Verein, wenn er vom eigenen Weg überzeugt ist, nicht von abbringen lassen. Wie Du richtig anführst haben wir unter Bosz wirklich irgendwann jedes zweite Spiel verloren. Doch dann kommen wir wieder zu den Rahmenbedingungen zurück. Ist das einfach alles dumm gelaufen oder war womöglich das zusammengestellte Trainerprofil nicht optimal? Denn bei allen Punkten, die Du später im Post zu diesem Thema noch angeführt hast, empfinde ich einen anderen Punkt als sehr wichtig: Erfahrungen in der jeweiligen Liga gesammelt zu haben. Klar, auch hier kann ein Trainer dazulernen. Aber Bosz hat sicherlich auch mit der Bundesliga zu kämpfen gehabt. Das sind Erfahrungswerte mit denen Kohfeldt dienen kann.

Naja, dass sich mein Post so liest, als wenn Kohfeldt die einzige Alternative wäre, liegt daran, dass Kohfeldt nunmal das Thema zu Beginn gewesen ist. ;) Wie ich ja zum Schluss geschrieben habe, halte ich Rose ebenfalls für einen sehr interessanten Kandidaten. Nur lässt sich schwer einschätzen, wie realistisch eine Verpflichtung in den nächsten Jahren sein wird. Aber wie gesagt, es gibt sicherlich andere Alternativen und genug Alternativen, die ich gar nicht auf dem Schirm habe.
Wir werden mit Favre ins nächste Jahr gehen. Und dann werden wir ja sehen, ob er uns nochmal positiv überrascht. Aber Stand jetzt, sieht es nicht nach einer noch langfristigen Zusammenarbeit aus. Und das ist ja überhaupt der Grund, warum ich mir Gedanken zu Kohfeldt und Rose mache.

Natürlich stellt Nagelsmann aktuell ein ganz anderes Level als Kohfeldt dar. Aber was hilft uns das? Wie gesagt, der Grund für meinen Text waren ja meine Gedanken für eine mögliche Lösung. Und Nagelsmann zeigt zwar, dass ein Kohfeldt aktuell noch nicht auf dem Niveau anzusiedeln ist, aber ebenso zeigt ein Neuer, dass ein Bürki nicht zu den besten Torhütern gehört. Gut zu wissen, aber bringt uns nur bedingt weiter(ja, hilft bei der Einschätzung), wenn man nach Lösungen sucht. Gleichzeitig hatte ich ja auch schon beschrieben, wenn man so einen Kandidaten wie Nagelsmann in der Liga hat, dann kannst du nicht 5 Jahre warten. Jetzt ist er bei Leipzig und ich gehe davon aus, dass wir nie wieder die Möglichkeit bekommen werden, diesen Trainer zu verpflichten. Gerade bei aufstrebenden jungen Trainern gibt es nur eine gewisse Zeitspanne, in der man zugreifen kann. Wir sind uns doch einig, dass eine Verpflichtung von Kohfeldt zurzeit ein zu großes Risiko darstellen würde. Mir geht es deshalb ja auch die ganze Zeit um eine mögliche Verpflichtung nach der kommenden Saison. Sollte er dann seinen Weg gehen und ein Plastikklub oder so zugreifen, sind wir auch wieder raus.

Ich hatte ja geschrieben, dass mir schon klar war, warum Du die Klubs aufgezählt hast. Aber wie gesagt, es bringt uns doch überhaupt nicht weiter, wenn die Rahmenbedinungen passen und uns zeigen, wie ein Trainer mit den Herausforderungen umgeht, wenn der potentielle Trainerkandidat eben kein Trainerkandidat für uns ist. Bosz ist raus und Nagelsmann ist so gut wie raus. Ja, bei Rose ist es doppelt interessant hinzuschauen. Aber nicht nur weil die Rahmenbedinungen passen, sondern weil Rose gute Arbeit liefert und meiner Meinung nach ins Profil passen würde. Wie Du ja selbst geschrieben hast, hatte Rose ordentlich Probleme mit der EL. Aber genau das ist doch auch ganz normal und trotzdem bleibt er ein interessanter Kandidat, weil er sich vermutlich weiterentwickeln wird.

Beim Vergleich mit Rode und Wolf musste ich natürlich lachen. Der war gut. Allerdings war Wolf wohl einer der unkreativsten Transfers überhaupt. Er war günstig zu bekommen, das war das herausragende Merkmal dieses Transfers. Dass er es bei uns nicht packen würde, war eine halbwegs sichere Wette. Bei Rode kommen wir der Sache sogar etwas näher. Denn wenn seine Verletzungen nicht gewesen wären, hätte er sogar eine Hilfe sein können. Aber gut, ansonsten waren das natürlich zwei lustige Beispiele. Aber wie schon mehrmals geschrieben, wir bekommen in der kommenden Saison die Möglichkeit die Arbeit von Favre und von Kohfeldt zu betrachten - zumindest aus der Distanz. Und dann werden wir alle ein wenig schlauer sein. ;)
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#115 Beitrag von Pew » So 12. Jul 2020, 15:44

Ich glaube der Kohfeldt ist ein super Trainer für Werder und deshalb kann ich schon verstehen, wieso sie das mit ihm durchgezogen haben. Aber auf der anderen Seite ist der BVB eben auch ein ganz anderes Kaliber als Bremen, sodass diese Wertschätzung nicht 1:1 übertragbar ist.

Ich habe den Vergleich mit Rode und Wolf gezogen, weil es bei beiden so aussah, als ob man sich gesagt hat: “endlich mal einer mit der richtigen Persönlichkeit für unseren Kader!” Und dann bei so manchem Fragezeichen oder Kritikpunkt beide Augen zugedrückt hat. Ein ähnlicher Eindruck entsteht bei mir, wenn ich die letzten Posts zu Kohfeldt lese (oder auch zu J. Marsch).
Das soll nicht heißen, dass die beiden schlechte Trainer sind, die nicht irgendwann bei uns landen könnten, es ist eher darauf bezogen, wie sich solchen Personalentscheidungen genähert wird: wie ein Trainer nach außen auftritt oder in Interviews rüber kommt ist mMn komplett sekundär: die erste Frage muss sein: “genügt er fachlich unseren Ansprüchen?”. Erst danach kommt: “wie passt er menschlich?”. Denn am Ende zählt immer noch auf’m Platz und eine goldene Zunge lockt im Idealfall vielleicht hier und da noch ein paar Prozente raus, aber wenn der Trainer bei der Taktik oder den Personalentscheidungen Fehler macht kommt trotzdem Mist raus.
Ich halte es auch für eine große Annahme zu glauben, dass ein Trainer das schon alles irgendwann lernt und man ihm nur Zeit geben muss. Bei manchen Trainern mag das der Fall sein, bei mindestens ebenso vielen bleibt dieser Effekt aber aus und man verschwendet einfach seine Zeit. Und deshalb ist es auch nicht selbstverständlich, dass unsere Führung Rückendeckung spendet, zum einen können solche Situationen immer eine Eigendynamik bekommen, wenn Spieler oder Fans das Vertrauen verlieren und zum anderen muss man sich Zeit und Vertrauen auch mit guten Ansätzen verdienen.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#116 Beitrag von MattiBeuti » Mo 13. Jul 2020, 07:50

Pew hat geschrieben:
So 12. Jul 2020, 15:44
Ich glaube der Kohfeldt ist ein super Trainer für Werder und deshalb kann ich schon verstehen, wieso sie das mit ihm durchgezogen haben. Aber auf der anderen Seite ist der BVB eben auch ein ganz anderes Kaliber als Bremen, sodass diese Wertschätzung nicht 1:1 übertragbar ist.

Ich habe den Vergleich mit Rode und Wolf gezogen, weil es bei beiden so aussah, als ob man sich gesagt hat: “endlich mal einer mit der richtigen Persönlichkeit für unseren Kader!” Und dann bei so manchem Fragezeichen oder Kritikpunkt beide Augen zugedrückt hat. Ein ähnlicher Eindruck entsteht bei mir, wenn ich die letzten Posts zu Kohfeldt lese (oder auch zu J. Marsch).
Das soll nicht heißen, dass die beiden schlechte Trainer sind, die nicht irgendwann bei uns landen könnten, es ist eher darauf bezogen, wie sich solchen Personalentscheidungen genähert wird: wie ein Trainer nach außen auftritt oder in Interviews rüber kommt ist mMn komplett sekundär: die erste Frage muss sein: “genügt er fachlich unseren Ansprüchen?”. Erst danach kommt: “wie passt er menschlich?”. Denn am Ende zählt immer noch auf’m Platz und eine goldene Zunge lockt im Idealfall vielleicht hier und da noch ein paar Prozente raus, aber wenn der Trainer bei der Taktik oder den Personalentscheidungen Fehler macht kommt trotzdem Mist raus.
Ich halte es auch für eine große Annahme zu glauben, dass ein Trainer das schon alles irgendwann lernt und man ihm nur Zeit geben muss. Bei manchen Trainern mag das der Fall sein, bei mindestens ebenso vielen bleibt dieser Effekt aber aus und man verschwendet einfach seine Zeit. Und deshalb ist es auch nicht selbstverständlich, dass unsere Führung Rückendeckung spendet, zum einen können solche Situationen immer eine Eigendynamik bekommen, wenn Spieler oder Fans das Vertrauen verlieren und zum anderen muss man sich Zeit und Vertrauen auch mit guten Ansätzen verdienen.
Die Krux ist nur zu glauben, dass Du oder ich die fachliche Kompetenz von Kohfeldt bewerten können. Natürlich steht diese an erster Stelle. Aber wir diskutieren ja hier als Fans und wenn wir aus der Distanz die fachlichen Fähigkeiten eines Trainers bewerten wollen, dann bleibt meistens nicht viel mehr als der Erfolg des Trainers als Grundlage übrig. Und wenn wir darüber diskutiert hätten, dann wäre unsere Diskussion nicht 2 Seiten, sondern 2 Einzeiler kang gewesen. Kohfeldt ist fast abgestiegen und hatte eine schlechte Saison. Das war's. ;)

Naja, in meinem Text steht auch überhaupt nicht, dass sich jeder Trainer weiterentwickelt. Ich habe geschrieben, dass sich Rose vermutlich weiterentwickeln wird. Und ich würde mich wundern, wenn Du das anders siehst - mit dem Wissen es nicht wissen zu können.

Natürlich muss man sich das Vertrauen verdienen. Und das immer wieder neu. Gerade im Fußball greifen sonst gerne die üblichen Gesetze. Wir können ja einfach mal das kommende Jahr abwarten. :thumbup:
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#117 Beitrag von Pew » Mo 13. Jul 2020, 14:14

MattiBeuti hat geschrieben:
Mo 13. Jul 2020, 07:50
Die Krux ist nur zu glauben, dass Du oder ich die fachliche Kompetenz von Kohfeldt bewerten können. Natürlich steht diese an erster Stelle. Aber wir diskutieren ja hier als Fans und wenn wir aus der Distanz die fachlichen Fähigkeiten eines Trainers bewerten wollen, dann bleibt meistens nicht viel mehr als der Erfolg des Trainers als Grundlage übrig. Und wenn wir darüber diskutiert hätten, dann wäre unsere Diskussion nicht 2 Seiten, sondern 2 Einzeiler kang gewesen. Kohfeldt ist fast abgestiegen und hatte eine schlechte Saison. Das war's. ;)

Naja, in meinem Text steht auch überhaupt nicht, dass sich jeder Trainer weiterentwickelt. Ich habe geschrieben, dass sich Rose vermutlich weiterentwickeln wird. Und ich würde mich wundern, wenn Du das anders siehst - mit dem Wissen es nicht wissen zu können.

Natürlich muss man sich das Vertrauen verdienen. Und das immer wieder neu. Gerade im Fußball greifen sonst gerne die üblichen Gesetze. Wir können ja einfach mal das kommende Jahr abwarten. :thumbup:
Dass wir Foristen mit unseren Meinungen und "Analysen" am Ende auch nur im Trüben fischen ist denke ich jedem klar, das gilt aber für alle Aspekte, inklusive der menschlichen bzw charismatischen Komponente. Sich der spielerischen Seite mit einem Blick auf die Endplatzierungen (zumal die bei Kohfeldt ja sogar "nur" gemischt sind) zu entledigen macht es sich aber mMn zu einfach. Ansonsten müssten wir hier auch über Leute wie Urs Fischer diskutieren.

Der Grund, wieso ich Kohfeldt überhaupt auf dem Zettel habe bzw hatte ist zum Beispiel nicht sein 8. Platz, sowas haben viele Mal geschafft; sondern wie er den erreicht hat: mit mutigem Kombinationsspiel und besonders, dass er dabei einen Spieler wie Sahin eingebaut hat. Leider hat er das im Verlauf der Saison komplett über Bord geworfen und passiven, ideenlosen Fußball spielen lassen. Sicherlich haben die vielen Verletzungen in der Defensive das ganze erstmal so richtig ins Wanken gebracht, aber der andere Teil der Wahrheit ist auch, dass Werder in xG ausgedrückt das drittschlechteste Team der Liga war und das obwohl die Kreativabteilung (Sahin, Klaassen, Rashica, Eggestein und Bittencourt) mehr oder weniger durchgehend fit war.

Rose lässt zum Beispiel direkter Spielen als die anderen Topteams, hat weniger Ballbesitz, setzt vorne auf Leute wie Thuram, Embolo oder auch Herrmann und im Mittelfeld sind Kramer/Strobl auch mal zusammen mit Zakaria aufgelaufen. Für einen Club wie Gladbach ist das wahrscheinlich auch sinnvoll und ich denke in so manchem Spiel gegen starke Gegner fehlt uns das im Repertoire, aber mMn muss man auch regelmäßig mit 60%-70% Ballbesitz konstruktiv umgehen können, wenn man in der aktuellen Form der Bundesliga Meister werden möchte. Was letzteres angeht bin ich mir bei Rose noch nicht so sicher, da bleibt zu hoffen, dass die Teams in der nächsten Saison mehr Respekt vor den Gladbachern haben und sie destruktiver bespielen.

Und während man so Dinge wie den Umgang mit dem Europapokal in der Regel sicherlich schon über Erfahrung lernt, ist der dominante Ballbesitz und die Suche nach der Balance eine Wissenschaft für sich (Bosz ist als Ballbesitzfanatiker u.a. daran gescheitert, bei Kovac haben die Bayern ein Jahr lang beide Augen zugedrückt und es wurde trotzdem kein Stück besser, auch Favre hat bei uns 1.5 Saison gebraucht, bis er die Balance fand) und das lässt mich eher zögern, wenn es um Trainer aus dem Tabellenkeller bzw Mittelfeld geht, da investiert man als Vorleistung eine Saison, damit die ihre Anfängerfehler machen dürfen (oder gar daran scheitern) und hat keine Ahnung, ob die am Ende den Sprung von "solide" zu "dominant" schaffen. Nagelsmann war so ein Überflieger, dass ich das Risiko natürlich trotzdem eingegangen wäre, ein Kohfeldt ist aber bisher nicht, wenn da nächstes Jahr kein Wunder an der Weser geschieht riskiere ich lieber, dass er in Hoffenheim von 0 auf 120 geht, als dass man mit ihm 1-2 Jahre verschwendet. Rose sieht da im Moment wie die goldene Mitte aus.

Aber natürlich hast du auch Recht, dass die Mutmaßungen aus diesem Sommer im nächstens Jahr wahrscheinlich wieder komplett wertlos sind, weil am Ende eh alles anders kommt.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#118 Beitrag von MattiBeuti » Di 14. Jul 2020, 15:30

Och Mensch...Einmal Verbindung weg und nun ist der Text weg. Schade, schade!

Dann jetzt nochmal in Kurzform.

Ja, bin davon ausgegangen, dass wir über das "Wie" bei Kohfeldt reden und nicht über die Endplatzierung. Platz 7, 8, 9 oder 10, wenn man es nicht in Relation setzt, ist das alles nicht so wichtig. Zum Beispiel haben Urs Fischer und Union(Platz 11) sicherlich mehr aus ihren Möglichkeiten gemacht als Leverkusen(Platz 5). Und genau diese Spielphilosophie von Kohfeldt, wenn sie so funktioniert wie in den ersten beiden Jahren, passt für mich ins Trainerprofil. Aber klar, diese Saison gehört aufgearbeitet. Und die ersten selbstkritischen Äußerungen(zu hartes Training) gefallen mir sehr.

Ich finde Rose hat durchaus versucht unterschiedlichen Ansätze auszuprobieren. Und selbst gegen die Bayern war das mehr als ordentlich. Hinspiel 2:1 verloren und 45% Ballbesitz gehabt und das Rückspiel mit 2:1 gewonnen und dabei 50% Ballbesitz gehabt. Das gegen Bayern ist schon eine Kunst.

Bei Bosz dachte ich kurzzeitig, dass er die Kurve bekommen hätte. Aber dann gab es doch wieder den Einbruch und zu viele Gegentore. Und dann verlieren sie jetzt auch noch Havertz. Das "Havertz-Problem" sehe ich bei uns allerdings auch. Findest Du nicht auch, dass wir etwas zu abhängig von den Geistesblitzen von Sancho sind? Es ist ganz klar, dass herausragende Individualisten nie leicht zu ersetzen sind - sollte Sancho überhaupt wechseln. Aber anders gefragt, für wie wahrscheinlich hältst Du es, dass wir ohne größere Anlaufprobleme in die neue Saison starten, wenn Sancho noch wechselt?
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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#119 Beitrag von Pew » Di 14. Jul 2020, 18:36

MattiBeuti hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 15:30
Och Mensch...Einmal Verbindung weg und nun ist der Text weg. Schade, schade!

Dann jetzt nochmal in Kurzform.

Ja, bin davon ausgegangen, dass wir über das "Wie" bei Kohfeldt reden und nicht über die Endplatzierung. Platz 7, 8, 9 oder 10, wenn man es nicht in Relation setzt, ist das alles nicht so wichtig. Zum Beispiel haben Urs Fischer und Union(Platz 11) sicherlich mehr aus ihren Möglichkeiten gemacht als Leverkusen(Platz 5). Und genau diese Spielphilosophie von Kohfeldt, wenn sie so funktioniert wie in den ersten beiden Jahren, passt für mich ins Trainerprofil. Aber klar, diese Saison gehört aufgearbeitet. Und die ersten selbstkritischen Äußerungen(zu hartes Training) gefallen mir sehr.

Ich finde Rose hat durchaus versucht unterschiedlichen Ansätze auszuprobieren. Und selbst gegen die Bayern war das mehr als ordentlich. Hinspiel 2:1 verloren und 45% Ballbesitz gehabt und das Rückspiel mit 2:1 gewonnen und dabei 50% Ballbesitz gehabt. Das gegen Bayern ist schon eine Kunst.

Bei Bosz dachte ich kurzzeitig, dass er die Kurve bekommen hätte. Aber dann gab es doch wieder den Einbruch und zu viele Gegentore. Und dann verlieren sie jetzt auch noch Havertz. Das "Havertz-Problem" sehe ich bei uns allerdings auch. Findest Du nicht auch, dass wir etwas zu abhängig von den Geistesblitzen von Sancho sind? Es ist ganz klar, dass herausragende Individualisten nie leicht zu ersetzen sind - sollte Sancho überhaupt wechseln. Aber anders gefragt, für wie wahrscheinlich hältst Du es, dass wir ohne größere Anlaufprobleme in die neue Saison starten, wenn Sancho noch wechselt?
Naja wie viel ist eine Philosophie wirklich wert, wenn man sie wenn es schlecht läuft direkt über Bord wirft und dann nicht mal sagen kann, dass man für seinen Pragmatismus belohnt wurde? Wer bei uns mutigen Fußball spielen lassen möchte wird da auch so einige Rückschläge und Kritik einstecken müssen.
Und den Satz mit dem Training hab ich auch gelesen, für mich klang das aber verdächtig nahe am: "ich entschuldige mich dafür, dass die Spieler nicht meinen Ansprüchen genügten".

Bzgl Rose:
Bei den Bayernspielen hast du einen Dreher drin, im Hinspiel wurde man dominiert und dann hintenraus gewonnen, im Rückspiel war man (zumindest in Sachen Ballbesitz) besser im Spiel, aber hat 1:2 verloren - allerdings hatte Bayern da schon angefangen zu rotieren, mit Cuisance auf der 10, Zirkzee auf der 9, Perisic auf dem Flügel und (so verrückt das vor der Saison geklungen haben mag) Hernandez für Davies, was die Einordnung des Spiels schwierig macht.

Aufschlussreicher ist da vielleicht die Ballbesitzstatistik über die ganze Saison gesehen, da steht man bei "nur" 51.7%" (61.5% Bayern, 60.1% Bayer, 58.5% BVB, 54.1% Leipzig). Ich hatte bei Gladbach oft den Eindruck, dass die Räume bespielen, die in unseren Spielen gar nicht vorhanden sind (bzw die wir uns erst erarbeiten müssen), da wird mal eben ein Ball zwischen die Linien bzw hinter die Abwehr gespielt oder die Gegner lassen sich in der Anfangsphase überfallen.
Deshalb hoffe ich, dass die Gegner nächste Saison etwas mehr Respekt haben und weniger naiv agieren, damit Rose zeigen muss, wie er sich in einer dominanteren Rolle zurechtfindet. Bei Hasenhüttl gab es einen Ähnlichen Effekt, der hatte in seiner Aufstiegssaison auch "nur" 51.9% Ballbesitz und gar ne Passquote von 74.8% - war damit aber trotzdem ziemlich erfolgreich. Als die Gegner im nächsten Jahr dann nicht mehr so großzügig waren, Ballbesitz und Passquote nach oben bzw die Zahl der langen Bälle nach unten ging, da war es relativ schnell vorbei mit dem Glanz.

Einen kompletten Einbruch gab es bei Leverkusen nicht, so richtig aus dem Rahmen gefallen ist da finde ich nur das Spiel gegen Wolfsburg. Am Ende waren sie immer noch mit für ihre Verhältnisse sehr guten 35 Punkten das 3. beste Rückrundenteam und haben 5 Punkte gutgemacht auf Gladbach. Platz 4 hat man verpasst, weil sie in der Hinrunde einfach zu lange brauchten, um den Abgang Brandts zu kompensieren. Sicherlich kann Boszs Fußball die Defensive auch gerne mal entblößen, aber ich finde, dass die da auch ziemlich große individuelle Defizite haben: Wendell ist total fehleranfällig, Weiser ist Hakimi für Arme, seine Alternative ist L. Bender, der defensiv verlässlich, aber offensiv nicht existent ist. Ein nettes Statement zu Tah wäre, dass er seit 2 Jahren stagniert - am Ende ist Tabsoba, mit seinen 19 Jahren, der beste IV in dem Laden und S.Bender im Rahmen seiner Möglichkeiten der einzige verlässliche. Bei dem was immer Bosz immer über defensive Anfälligkeit nachgesagt wird sind 44 Gegentore da finde ich relativ respektabel, wir haben auch nur 3 weniger, Gladbach 4.

Havertz wird man nicht 1:1 ersetzen können, allerdings habe ich auch manchmal den Eindruck, dass er wichtiger gemacht wird, als er ist. Wenn sie für die Ablöse einen guten für die Offensive und jemanden, der die rechte Seite belebt, kriegen, dann muss das nicht mal eine riesen Schwächung sein. Viel wird auch davon abhängen, ob bzw was für Schritte Leute wie Palacios, Amiri, Diaby oder Paulinho in ihrer individuellen Entwicklung machen können.

Mir macht ehrlich gesagt der Abgang Hakimis im Moment mehr Sorgen, als ein möglicher Verkauf Sanchos. Wir hatten jetzt mit dem "343" mal wirklich ein System gefunden, das langfristig einen sehr stabilen Eindruck gemacht hat, sowohl offensiv als auch defensiv. Hakimi und seine defensiven Nachlässigkeiten waren einer der Hauptgründe, wieso die 3er Kette defensiv nötig war, auf der anderen Seite hat er aber auch eine unglaubliche Präsenz für einen Wingback gehabt, insbesondere mit seinen Läufen in die Tiefe. Gerade Konter liefen gefühlt alle über seine Seite und waren auch deshalb besonders Durchschlagskräftig, weil er seinen Gegenspielern in diesen Situationen schlicht weggelaufen ist. Sancho können wir qualitativ sicherlich nicht 1:1 ersetzen, aber wenn es nur er wäre der geht, dann könnte man zumindest sein Erfolgsrezept beibehalten (tatsächlich waren die Ergebnisse ohne ihn in der Startelf gar nicht so schlecht: Gladbach 1:0 und 2:1, Derby 4:0, Wolfsburg 2:0, Leipzig 2:0 - auf der anderen Seite Bayern, Barca und zuletzt Hoffenheim). Meunier ist hingegen dann doch ein anderer Spielertyp als Hakimi, wenn man den einfach in die Aufstellung "copy pasted", befürchte ich, dass uns in der Offensive öfter die Breite fehlt, weil er nicht so schnell nach vorne kommt und selbst wenn doch nicht im Ansatz die gleichen Angriffsqualitäten hat.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit ihm wieder zur 4er Kette zurückkehren muss und dann geht die Suche nach der richtigen Balance wieder von vorne los. Ausgang offen.

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Re: OT: Das Trainer-Karussell dreht sich...

#120 Beitrag von LEF » Di 14. Jul 2020, 22:09

Pew hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 18:36
MattiBeuti hat geschrieben:
Di 14. Jul 2020, 15:30
Och Mensch...Einmal Verbindung weg und nun ist der Text weg. Schade, schade!

Dann jetzt nochmal in Kurzform.

Ja, bin davon ausgegangen, dass wir über das "Wie" bei Kohfeldt reden und nicht über die Endplatzierung. Platz 7, 8, 9 oder 10, wenn man es nicht in Relation setzt, ist das alles nicht so wichtig. Zum Beispiel haben Urs Fischer und Union(Platz 11) sicherlich mehr aus ihren Möglichkeiten gemacht als Leverkusen(Platz 5). Und genau diese Spielphilosophie von Kohfeldt, wenn sie so funktioniert wie in den ersten beiden Jahren, passt für mich ins Trainerprofil. Aber klar, diese Saison gehört aufgearbeitet. Und die ersten selbstkritischen Äußerungen(zu hartes Training) gefallen mir sehr.

Ich finde Rose hat durchaus versucht unterschiedlichen Ansätze auszuprobieren. Und selbst gegen die Bayern war das mehr als ordentlich. Hinspiel 2:1 verloren und 45% Ballbesitz gehabt und das Rückspiel mit 2:1 gewonnen und dabei 50% Ballbesitz gehabt. Das gegen Bayern ist schon eine Kunst.

Bei Bosz dachte ich kurzzeitig, dass er die Kurve bekommen hätte. Aber dann gab es doch wieder den Einbruch und zu viele Gegentore. Und dann verlieren sie jetzt auch noch Havertz. Das "Havertz-Problem" sehe ich bei uns allerdings auch. Findest Du nicht auch, dass wir etwas zu abhängig von den Geistesblitzen von Sancho sind? Es ist ganz klar, dass herausragende Individualisten nie leicht zu ersetzen sind - sollte Sancho überhaupt wechseln. Aber anders gefragt, für wie wahrscheinlich hältst Du es, dass wir ohne größere Anlaufprobleme in die neue Saison starten, wenn Sancho noch wechselt?
Naja wie viel ist eine Philosophie wirklich wert, wenn man sie wenn es schlecht läuft direkt über Bord wirft und dann nicht mal sagen kann, dass man für seinen Pragmatismus belohnt wurde? Wer bei uns mutigen Fußball spielen lassen möchte wird da auch so einige Rückschläge und Kritik einstecken müssen.
Und den Satz mit dem Training hab ich auch gelesen, für mich klang das aber verdächtig nahe am: "ich entschuldige mich dafür, dass die Spieler nicht meinen Ansprüchen genügten".

Bzgl Rose:
Bei den Bayernspielen hast du einen Dreher drin, im Hinspiel wurde man dominiert und dann hintenraus gewonnen, im Rückspiel war man (zumindest in Sachen Ballbesitz) besser im Spiel, aber hat 1:2 verloren - allerdings hatte Bayern da schon angefangen zu rotieren, mit Cuisance auf der 10, Zirkzee auf der 9, Perisic auf dem Flügel und (so verrückt das vor der Saison geklungen haben mag) Hernandez für Davies, was die Einordnung des Spiels schwierig macht.

Aufschlussreicher ist da vielleicht die Ballbesitzstatistik über die ganze Saison gesehen, da steht man bei "nur" 51.7%" (61.5% Bayern, 60.1% Bayer, 58.5% BVB, 54.1% Leipzig). Ich hatte bei Gladbach oft den Eindruck, dass die Räume bespielen, die in unseren Spielen gar nicht vorhanden sind (bzw die wir uns erst erarbeiten müssen), da wird mal eben ein Ball zwischen die Linien bzw hinter die Abwehr gespielt oder die Gegner lassen sich in der Anfangsphase überfallen.
Deshalb hoffe ich, dass die Gegner nächste Saison etwas mehr Respekt haben und weniger naiv agieren, damit Rose zeigen muss, wie er sich in einer dominanteren Rolle zurechtfindet. Bei Hasenhüttl gab es einen Ähnlichen Effekt, der hatte in seiner Aufstiegssaison auch "nur" 51.9% Ballbesitz und gar ne Passquote von 74.8% - war damit aber trotzdem ziemlich erfolgreich. Als die Gegner im nächsten Jahr dann nicht mehr so großzügig waren, Ballbesitz und Passquote nach oben bzw die Zahl der langen Bälle nach unten ging, da war es relativ schnell vorbei mit dem Glanz.

Einen kompletten Einbruch gab es bei Leverkusen nicht, so richtig aus dem Rahmen gefallen ist da finde ich nur das Spiel gegen Wolfsburg. Am Ende waren sie immer noch mit für ihre Verhältnisse sehr guten 35 Punkten das 3. beste Rückrundenteam und haben 5 Punkte gutgemacht auf Gladbach. Platz 4 hat man verpasst, weil sie in der Hinrunde einfach zu lange brauchten, um den Abgang Brandts zu kompensieren. Sicherlich kann Boszs Fußball die Defensive auch gerne mal entblößen, aber ich finde, dass die da auch ziemlich große individuelle Defizite haben: Wendell ist total fehleranfällig, Weiser ist Hakimi für Arme, seine Alternative ist L. Bender, der defensiv verlässlich, aber offensiv nicht existent ist. Ein nettes Statement zu Tah wäre, dass er seit 2 Jahren stagniert - am Ende ist Tabsoba, mit seinen 19 Jahren, der beste IV in dem Laden und S.Bender im Rahmen seiner Möglichkeiten der einzige verlässliche. Bei dem was immer Bosz immer über defensive Anfälligkeit nachgesagt wird sind 44 Gegentore da finde ich relativ respektabel, wir haben auch nur 3 weniger, Gladbach 4.

Havertz wird man nicht 1:1 ersetzen können, allerdings habe ich auch manchmal den Eindruck, dass er wichtiger gemacht wird, als er ist. Wenn sie für die Ablöse einen guten für die Offensive und jemanden, der die rechte Seite belebt, kriegen, dann muss das nicht mal eine riesen Schwächung sein. Viel wird auch davon abhängen, ob bzw was für Schritte Leute wie Palacios, Amiri, Diaby oder Paulinho in ihrer individuellen Entwicklung machen können.

Mir macht ehrlich gesagt der Abgang Hakimis im Moment mehr Sorgen, als ein möglicher Verkauf Sanchos. Wir hatten jetzt mit dem "343" mal wirklich ein System gefunden, das langfristig einen sehr stabilen Eindruck gemacht hat, sowohl offensiv als auch defensiv. Hakimi und seine defensiven Nachlässigkeiten waren einer der Hauptgründe, wieso die 3er Kette defensiv nötig war, auf der anderen Seite hat er aber auch eine unglaubliche Präsenz für einen Wingback gehabt, insbesondere mit seinen Läufen in die Tiefe. Gerade Konter liefen gefühlt alle über seine Seite und waren auch deshalb besonders Durchschlagskräftig, weil er seinen Gegenspielern in diesen Situationen schlicht weggelaufen ist. Sancho können wir qualitativ sicherlich nicht 1:1 ersetzen, aber wenn es nur er wäre der geht, dann könnte man zumindest sein Erfolgsrezept beibehalten (tatsächlich waren die Ergebnisse ohne ihn in der Startelf gar nicht so schlecht: Gladbach 1:0 und 2:1, Derby 4:0, Wolfsburg 2:0, Leipzig 2:0 - auf der anderen Seite Bayern, Barca und zuletzt Hoffenheim). Meunier ist hingegen dann doch ein anderer Spielertyp als Hakimi, wenn man den einfach in die Aufstellung "copy pasted", befürchte ich, dass uns in der Offensive öfter die Breite fehlt, weil er nicht so schnell nach vorne kommt und selbst wenn doch nicht im Ansatz die gleichen Angriffsqualitäten hat.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit ihm wieder zur 4er Kette zurückkehren muss und dann geht die Suche nach der richtigen Balance wieder von vorne los. Ausgang offen.
Sehr interessant. Wirklich eine substanziierte Diskussion. Ich bin mal gespannt, mit welchem System wir in die Saison starten. 3-4-3 oder 4-2-3-1.....oder im Laufe der Saison variabel mit beiden Systemen, je nach Gegner ?

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