Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

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LEF
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#501 Beitrag von LEF » Di 19. Mai 2026, 22:05

Zubitoni hat geschrieben: Di 19. Mai 2026, 20:40 wer hat wen verdummt? und womit?
Soziale Medien, Privatfernsehen.....selbst im öffentlich rechtlichen Fernsehen, gibt es kaum noch politische Sendungen.

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Schwejk
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#502 Beitrag von Schwejk » Do 21. Mai 2026, 21:10

Bild
Im Hipster-Café nebenan steht seit Kurzem ein neues Kartenlesegerät auf der Vitrine. Wenn man zahlt, zeigt es drei verschiedene Trinkgeld-Optionen an, sieben Prozent, zehn Prozent und 20 Prozent. Darunter, in Großbuchstaben, die den möglichen Affront des Kunden schon typografisch in die Welt schreien, die Option »KEIN TRINKGELD«. (…)
https://www.spiegel.de/kultur/trinkgeld ... b2f98024b2 (mit Bezahlschranke)

So take your choice.
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#503 Beitrag von Zubitoni » Do 21. Mai 2026, 21:33

ich finde trinkgeld grds angemessen, wenns gut läuft. aber wenns schlecht läuft, drücke ich auch ohne schmerzen „kein trinkgeld“.

man hätte den button sicher mit „weiter“ anstelle von „kein trinkgeld“ beschriften können. aber das wäre dann doch zu einfach für die zahlenden.
Eine Meinung.

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Schwejk
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#504 Beitrag von Schwejk » Do 21. Mai 2026, 22:03

Um sicherzustellen, daß das Trinkgeld auch wirklich in die Hände derjenigen gelangt, denen es zugedacht ist, bietet sich an, den Tip (berlinisch: "das Schmalz") (z.B. 10 % als „Standard“) bar mit/nach der Zahlung per Card abzudrücken, es sei denn, es ist (wie auch immer) gewiß, daß das Trinkgeld in voller Höhe auch bei der Bedienung ankommt.
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#505 Beitrag von Ignazius5 » Fr 22. Mai 2026, 17:00

Man kann in dem Bereich sicherlich Technik anwenden, hier finde sehe ich aber ein Beispiel für unsinnigen Einsatz. Trinkgeld ist ja eher so eine persönliche Sache. (abrunden usw.)

Ist die Rechnung zwischen 46 Euro und 48 Euro, gibt man 50 Euro und sagt, "Stimmt so." Da brauchts doch keine vorgegebenen Prozente, finde ich. Naja, wie auch immer. Man braucht halt zwingend neue Features für die neue Technik. Als nächstes gibt es dann die einstellbare App mit automatischer Trinkgeldfunktion für Zahlvorgänge jeglicher Art. Aber vielleicht gibt es das schon. ;)

Gruß Ignazius

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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#506 Beitrag von Gus » Di 26. Mai 2026, 09:05

Ignazius5 hat geschrieben: Fr 22. Mai 2026, 17:00 Man kann in dem Bereich sicherlich Technik anwenden, hier finde sehe ich aber ein Beispiel für unsinnigen Einsatz. Trinkgeld ist ja eher so eine persönliche Sache. (abrunden usw.)

Ist die Rechnung zwischen 46 Euro und 48 Euro, gibt man 50 Euro und sagt, "Stimmt so." Da brauchts doch keine vorgegebenen Prozente, finde ich. Naja, wie auch immer. Man braucht halt zwingend neue Features für die neue Technik. Als nächstes gibt es dann die einstellbare App mit automatischer Trinkgeldfunktion für Zahlvorgänge jeglicher Art. Aber vielleicht gibt es das schon. ;)

Gruß Ignazius
Mit dieser Technik will man ja gerade diese 2 € verhindern, sondern 5 € oder mehr rausholen. Da es mir recht lästig ist, im Kopf schnell 110 % von 78,80 € auszurechnen, finde ich diese Optionen gar nicht schlecht. Natürlich hat der zur Scham einladende "Kein Trinkgeld"-Button ein Geschmäckle, aber ein Kartenzahlungsterminal, dass mir 2 Knöpfchen für prozentuales Hinzufügen eines Tipp anbieten würde, fände ich gut.

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Schwejk
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Re: Flüchtige Bemerkungen oder Wissenswertes

#507 Beitrag von Schwejk » Mo 1. Jun 2026, 06:26

Aufgespießt in meinem Kiez:

Bild

Erinnerung an einen großen – von mir sehr geschätzten - Schriftsteller, der mit seinen ungemütlichen Volksstücken, d.h. mit der „Fortsetzung und Zerstörung des alten Volksstückes“ (ÖvH), Weltliteratur geschrieben hat.
Horvàth zielt, wie es in einer Gebrauchsanweisung zu seinen Stücken heißt, auf die "Demaskierung des Bewußtseins" mittels einer »Synthese aus Ernst und Ironie«, die ihrerseits wiederum in der authentischen und eigentümlichen Sprache der kleinbürgerlichen Figuren ihre Grundlage besitzt.

Exemplarisch für diesen theoretischen. Hintergrund seines Schaffens ist Horvàths populärstes Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1931): Um die Hauptfigur Marianne, Tochter des spießigen Zaunkönigs, bilden sich Paare und gehen wieder auseinander; sie selbst wird in diesem Spiel Opfer und Frau des ungeliebten Fleischermeisters Oskar. Die bewußt kitschig mit Versatzstücken der Wiener Gemütlichkeit arrangierte Idylle ist eine im Wortsinn tödliche.

In diesem Volksstück, eingeleitet mit dem - als Foren-Sig geeigneten - Motto ;) „Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie*) die Dummheit“ findet sich hierfür eine bezeichnende Szene:
Der offen brutale Fleischergeselle Havlicek in seiner blutverschmierten Schürze (er schlachtete gerade eine Sau, leicht erkennbar eine Anspielung) zeigt mit einem Messer auf das "Fräulein" Marianne und tröstet, die Pelle einer Blutwurst ausspuckend, seinen Chef Oskar mit den Worten: „Weiber gibt’s wie Mist! Ein jeder Krüppel findt ein Weib und sogar die Geschlechtskranken auch! (...) Die Weiber haben keine Seele, das ist nur äußerliches Fleisch“.

Havlicek nimmt hier mit seiner offen zutage tretenden Bestialität und Brutalität dramaturgisch die Funktion einer Kontrastfigur von Oskar ein, mit der dessen Bewußtsein demaskiert, also aufgezeigt werden soll, daß seine Gemeinsamkeit mit Havlicek, nämlich seine Ungemütlichkeit, Brutalität, sich hinter seiner Fassade der Heimeligkeit und Gemütlichkeit verbirgt.

Will man jegliche Form von Misogynie auf ihren Urgrund – einer mythologisch-psychoanalytisch angeleiteten Gedankenkette folgend – zurückführen, so erschließt sich, wie sehr der autoritäre, frauenfeindliche Mann, der nach klaren Verhältnissen giert, der das Unwägbare, Unsichere, das "weibliche Chaos" fürchtet und daher nicht aushält, sich nach einer klaren Entscheidung sehnt. Das Entscheidende an der Entscheidung wäre dann die Ausscheidung des Weiblichen. Aus Furcht vor der Scheide, der Vagina dentata. *scnr*

Die Umstände des Todes Horvàths könnten aus seinen „unheimlichen“ Volksstücken und v.a. aus seinen späten Romanen stammen, in denen eine Welt der Kälte und der Todesnähe dominiert:

Am 1. Juni traf er im Café Marignan den Regisseur Robert Siodmak, um mit ihm über die Verfilmung des Romans Jugend ohne Gott zu sprechen. Doch noch am selben Abend wurde Horváth während eines Gewitters auf den Champs-Élysées gegenüber dem Théâtre Marigny durch den herabstürzenden Ast einer Rosskastanie erschlagen. Seine Beerdigung fand in Anwesenheit vieler Exilautoren am 7. Juni 1938 auf dem Pariser Friedhof Saint-Ouen statt. An seinem Grab sprachen Walter Mehring, Franz Werfel und Carl Zuckmayer.[5]
Ein Wahrsager soll Horváth prophezeit haben, dass ihm in den ersten Tagen des Juni 1938 auf einer Reise „das bedeutendste Ereignis seines Lebens“ bevorstünde. Daraufhin benutzte der abergläubische Horváth angeblich u. a. keine Fahrstühle mehr. Am Tag seines Unfalltods lehnte er das Angebot der Siodmaks, ihn mit dem Auto ins Hotel zurückzubringen, mit der Begründung ab, dass dies zu gefährlich sei. Stattdessen machte er sich zu Fuß auf den Weg.

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96d%C ... rv%C3%A1th

---
*) Diese hochsprachlich inkorrekte Verwendung von Vergleichspartikeln durch Horvath ist sicherlich nicht nur ein erster Verweis auf die Gedanken- und Sprachwelt seiner Figuren, sondern ebenso die (unbewußte) Übernahme eines Idioms seines (süddeutschen/österreichischen) Sprachraums.
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