RheinSiegBorusse hat geschrieben: ↑Sa 3. Jan 2026, 16:23
Wir verlieren gerade anscheinend ein Talent nach dem anderen, ohne dass diese eine Chance bekommen haben, sich zu zeigen.
Entweder haben wir zuletzt einfache mega schlecht gescoutet, was Talente angeht ( und das glaube ich einfach nicht !!! ) oder wir trauen uns einfach nicht ( und das glaube ich mehr ).
Stattdessen holt man eventuell Talente für für uns riesige Summen. Auch ohne Garantie. Kann man machen, ich weiß aber nicht ob dies der richtige Weg ist
Ich finde beide Gegensätze zu einseitig.
Wer sagt denn, dass wir uns nicht trauen bzw. die Spieler keine Chance bekommen? Du scheinst ja davon auszugehen, dass als Chance nur Pflichtspielminuten zählen. Das scheint mir viel zu kurz gegriffen. Natürlich bekommt unser Nachwuchs die Chance, und zwar im Training. Albert und Inacio z.B. waren auch mit bei der Klub-WM. Man kann im Training sehr gut einschätzen, ob den Spielern mehr zuzutrauen ist. Anekdotisch dazu: Von den Jungs aus meiner Jugend hat es genau eine geschafft. Der ist damals von der Zweitvertretung (Oberliga) in die erste Mannschaft (Bundesliga, dann aber Abstieg in die zweite Liga) gewechselt und meinte zu mir, dass sei wie eine andere Sportart. Schon das Training sei so viel schneller, dass man froh ist, wenn man sich da nicht vollständig blamiert. Da sehen natürlich auch die Trainer, ob und wie schnell die Anpassung gelingt. Und wenn jemand im Training schon nicht voll mithält, dann wäre es völlig unsinnig, auf die "Chance" im Pflichtspiel zu setzen, wo der Druck viel größer ist. Warum sollte jemand da plötzlich über das hinauswachsen, was er im Training zeigen kann? Es ist ja kein Zufall, dass bis auf geringe Ausnahmen niemand von den hochgehandelten Namen aus den letzten 15 Jahren den Durchbruch geschafft hat: Burnic, Raschl, Pherai, Tigges, Brunner, Dudziak, Rothe, Collins, Papadopoulos, Njinma, Pohlmann, Pieper, Maloney, Coulibaly, Passlack oder Knauff wurden alle hochgehandelt. Die galten alle als im Nachwuchsbereich herausragend. Wenn es nur ums Trauen ginge, nur darum, denen eine Chance zu geben, warum haben die sich dann überwiegend höchstens in der 2. Liga durchgesetzt?
Niemand von denen hat ansatzweise das Potenzial und/oder schon so viel vorzuweisen wie irgendeinen Spieler, für den wir "riesige Summen" ausgegeben haben.
Es gibt, wenn ich nichts übersehe, drei Fälle in den letzten 15 Jahren, wo man sich ernsthaft fragen kann, ob man die Spieler nicht hätte halten sollen: Das waren Halstenberg, Collins und Knauff. Bei Knauff bin ich ganz klar der Ansicht, dass er nicht das Niveau hat, um uns ernsthaft zu helfen. Als Ergänzungsspieler völlig fine, wobei da immer auch die Frage ist, ob dem Spieler das reicht. Bei Collins bin ich mir unsicher, nach einem Hype kam da ja auch recht schnell Ernüchterung. Halstenberg hatte bei Leipzig lange Zeit ein so hohes Niveau, dass sich bei ihm die Frage aufdrängt, ob man sein Potenzial verkannt hat.
Ansonsten sind wir schon bei Namen wie Pherai oder Njinma, die zwar Bundesliga spielen, aber bei Vereinen wie HSV oder Werder und da auch weit entfernt davon sind, Stamm zu spielen oder gar Leistungsträger zu sein. Da fehlt also offensichtlich durchweg etwas - und das ist nicht der Mut, diesen Spielern bei uns eine Chance zu geben.
Außerdem heißt auch nichts davon, dass wir schlecht gescoutet haben, geschweige denn mega schlecht. Unsere Jugend spielt doch immer und überall oben mit, also scouten wir offensichtlich gut. Aber auch das beste Scouting ist keine Garantie, dass die Spieler dann den Durchbruch zum Profi schaffen. Das gilt schon grundsätzlich und natürlich noch viel mehr, wenn der Durchbruch bei uns - also bei einem CL-Verein - gelingen soll. Insofern ist es m.E. verfehlt, das Scouting (allein) daran zu messen, ob und wie viele Spieler aus unserer Jugend den Durchbruch bei uns schaffen. Natürlich ist das ein Ziel, das auch alle haben. Aber das kann man mit dem besten Scouting nicht gewährleisten und es ist auch nicht das wesentliche Kriterium zur Evaluation der eigenen Jugendarbeit. Ricken hat vor ein paar Monaten ein Interview gegeben, wo er sinngemäß sagte, den Erfolg unserer Jugendarbeit sehe man vor allem und deutlich daran, dass wir regelmäßig Spieler verkaufen. Das zeigt ja, dass wir Qualität hervorbringen. Nur eben nicht regelmäßig die Qualität, die für unsere eigenen Ansprüche bei den Profis ausreicht.
Und wenn ein Spieler den Sprung nicht schafft, heißt das auch nicht zwingend, dass bei der Überführung in den Profibereich Fehler unterlaufen sind. Nehmen wir doch mal Felix Passlack. Der galt als eines der spannendsten Talente, das wir in den letzten zehn Jahren hatten. Jedes Jahr Leistungsträger und Führungsspieler, im Jugendbereich extrem dominant. Und am Ende sieht man, dass es technisch vorne und hinten nicht reich für gehobenen Bundesligafußball. Und Passlack hat sogar noch verhältnismäßig viel Einsatzzeit (= Chancen) bekommen. Da kann sich doch jeder selbst ausmalen, wie es um die Spieler bestellt ist, denen man auf Grundlage der Trainingseindrücke nicht einmal mehr als die zutraut.